David Erler „Qui autem permanserit“

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Noten

Über das Stück

„Matthäus 24,13 (‚Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.‘) ist ein Bibelvers, der mir seit vielen Monaten immer wieder in den Sinn kommt. Deshalb war es naheliegend, ihn zur Grundlage meines ‚Mosaiksteins‘ zu machen. In Kombination mit Vers 10 (‚Und dann werden viele Anstoß nehmen, einander verraten und einander hassen.‘) klingt dieser Text bedrückend aktuell – aber mit einer Zuversicht und Hoffnung spendenden Perspektive. Deshalb habe ich neben dem anfänglichen textausdeutenden Tumult der drei Oberstimmen (Sopran und Tenor im Kanon, der Alt v.a. die jeweiligen Verben illustrierend) auch das Ausharren gleich von Beginn an dargestellt: eher im Hinter- (oder Unter-)Grund zwar, aber dennoch geradezu stoisch singt der Bariton den 13. Vers auf ein und demselben Ton.

Sobald auch die Oberstimmen diesen Vers singen, beruhigt sich zum einen das musikalische Geschehen, zum anderen wird eine weitere Meta-Ebene eingeführt in Form eines tonlichen Zitats von Martin Luthers Choral ‚Aus tiefer Not schrei ich…‘ in Sopran und Tenor (auch weiterhin im Kanon) sowie der zweiten Choralzeile ‚Herr Gott, erhör mein Rufen‘ im Alt. 
Die Baßstimme, die über die ganze Miniatur hinweg den immer um einen Ton tiefer sinkenden Lamentobaß auf den Text ’salvus erit‘ singt (als Ausdruck des trotz aller Umstände beharrlichen Festhaltens am Glauben an die Rettung), steht nun Modell für die anderen Stimmen, die die Abwärtsbewegung aufnehmen. Am Ende steht eine unerwartete Wendung (durch die der Baß außerdem auch den Oktavraum überschreitet) nach Des-Dur – eine kleine Hommage an William H. Harris, dessen grandiose Motette ‚Bring us, o Lord‘ in eben dieser Tonart (und mit einer ebenso unerwarteten Wendung) endet und die für ihn eine ‚Tonart himmlischer Ruhe und Klarheit‘ (Paul McCreesh im Booklet der CD ‚The Road to Paradise‘) ist. Derjenige, der bis ans Ende ausharrt, fällt nie tiefer als in Gottes Hand – der Schluß meiner Miniatur illustriert in warmem und versöhnliche Geborgenheit darstellendem Des-Dur genau das.“ David Erler

Biografie

Photo: Björn Kowalewsky

David Erler (Altus) arbeitet als europaweit gefragter Gesangssolist und Barockspezialist mit Manfred Cordes, Laurence Cummings, Philippe Herreweghe, Jos van Immerseel, Wolfgang Katschner, Ton Koopman, Rudolf Lutz, Hermann Max, Hans-Christoph Rademann, Jos van Veldhoven und Roland Wilson sowie mit Collegium Marianum Prag, Gesualdo Consort Amsterdam, Lautten Compagney Berlin, Musica Fiata, Nederlandse Bachvereniging, Weser- Renaissance Bremen und anderen Ensembles. Er wird wiederholt als Gastsänger der Vokalensembles amarcord, Calmus, Singer Pur, Singphoniker und Stimmwerck eingeladen, er ist auf über 80 CDs und bei renommierten Festivals in ganz Europa zu erleben. Daneben ist er als Herausgeber für Breitkopf & Härtel tätig (u.a. Gesamtausgabe der Kantaten von Johann Kuhnau). David Erler studierte als Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung München bei Marek Rzepka in Leipzig.

www.daviderler.de